Alles Hobby, oder was? - Die Sache mit dem Lesungshonorar

Freitagabend, der Pizzabote steht vor der Tür. Der Kunde nimmt freudestrahlend die bestellten Salami-, Thunfisch- und Funghi-Pizzakartons entgegen. „Das riecht lecker, vielen Dank!“, sagt er und will gerade die Tür schließen, als der Pizzabote herumzudrucksen beginnt: „Vorhin am Telefon hatten wir ausgemacht, dass ich 14 Euro fünfundsiebzig dafür bekomme.“

Der Kunde schaut irritiert. „Nein, also das hatte ich ganz anders verstanden. Ihr Kollege neulich, der hat die Pizza gratis vorbeigebracht. UND eine Flasche Wein noch dazu.“

„Ich weiß nicht, wie der Kollege das macht, aber ich bin verheiratet, habe drei Kinder, und die Arbeitszeit und das Material muss mir doch jemand bezahlen …“

„Arbeit würde ich das ja nun nicht nennen, das kann doch jeder. Meine Frau zum Beispiel, die bäckt wunderbare Pizza, aber die ist heute nicht da. Das bisschen Mehl, das man dazu braucht, und Tomatenzeug, das kostet ja auch nicht die Welt. Also, mehr als drei Euro kann ich Ihnen beim besten Willen nicht geben.“

Der Pizzabote befürchtet, gar nichts zu bekommen, wenn er auf das Angebot nicht eingeht. Also nimmt er die drei Euro, geht wutschnaubend zu seinem Auto und schwört, diesen Kunden nie mehr zu beliefern, auch wenn er bekannt dafür ist, sehr häufig Pizza zu bestellen.

Unvorstellbar?

Und doch geschieht genau dies in anderer Form täglich. Man muss nur das Wort „Pizzabote“ gegen das Wort „Autor“ austauschen, „Pizza“ gegen „Lesung“ und „Kunde“ gegen „Veranstalter“ (das kann eine Buchhandlung, Kultureinrichtung o. ä. sein).

Bei kleineren Buchhandlungen funktioniert es mit dem Lesungshonorar auch meist so, wie es sein sollte. Der Autor oder die Autorin macht einen Lesungstermin aus und bespricht die Höhe des Honorars. Die Besucher zahlen ein paar Euro Eintritt, von denen das Autorenhonorar bezahlt wird. Waren nicht genügend Zuhörer anwesend, nimmt der Buchhändler die Differenz aus der eigenen Kasse, schließlich war ja eine bestimmte Summe vereinbart. Diese Vereinbarung kann durchaus mündlich geschehen.

Es ist jedoch Vorsicht geboten, wenn das Bauchgefühl gleich zu Beginn Alarm schlägt. So hatte zum Beispiel eine große Buchhandlung schon bei der äußerst zähen Honorarverhandlung einen Hang zu, sagen wir, extremer Sparsamkeit gezeigt und sich mir gegenüber dann am Ende der Lesung genauso verhalten wie der Kunde des oben genannten Pizzabäckers. Seither habe ich mich gefragt, ob wir Autorinnen und Autoren uns nicht grundsätzliche Gedanken über die Bezahlung unserer Arbeit machen sollten, und was wir dafür tun können, um unsere Forderungen durchzusetzen.


„Das ist doch kostenlose PR für Ihr Buch!“


Zunächst einmal sollten Autoren überhaupt Forderungen stellen! Kein Veranstalter wird freiwillig mit einem Sack voller Goldstücke hinter uns her rennen – dieses Bild kann man getrost ins Reich der Märchen verbannen. Jeder Autor, der eine Lesung hält, muss darauf hinweisen, dass diese Arbeit – denn um eine solche handelt es sich – auch zu entlohnen ist. Das Problem hierbei: Autoren, die noch nicht so lange dabei sind, kommen oft gar nicht auf die Idee, dass ihnen für ihre Buch-PR (und für die Möglichkeit, der eigenen Eitelkeit ein wenig schmeicheln zu dürfen) auch noch Geld zusteht.

Dann sollten diese Autoren ganz kurz darüber nachdenken, ob sie denn für ein anderes Produkt, beispielsweise das Buch eines Kollegen, auch gratis Promotion machen würden.

In der akuten Verhandlungssituation kommt man auf derartige Ideen natürlich nicht, und Veranstalter reiten gerne auf dem PR-Argument herum – meist mit dem Hinweis auf den sich erhöhenden Buchverkauf nach der Lesung. Vielleicht hilft es da, beim nächsten Mal folgende vereinfachte Beispielrechnung zu präsentieren:

Der fiktive Nettoladenpreis liegt bei zehn Euro, der fiktive Anteil des Autors bei zehn Prozent (oft genug darunter). Um das vom Verband deutscher Schriftsteller (VS) empfohlene Mindesthonorar von umgerechnet 255,65 Euro* zu erreichen, müssten pro Lesung 256 Bücher verkauft werden. Pro Lesung, wohlgemerkt, und, wie gesagt, bezogen auf das Mindesthonorar! Wenn der Veranstalter danach weiter auf seiner PR-Theorie und einer Gratislesung besteht, sollte der Autor dort nicht länger seine kostbare Zeit verschwenden.

Sehr kontraproduktiv ist in diesem Zusammenhang auch eine Empfehlung, die ich in einem (aktuellen) Leitfaden für Autorenlesungen gefunden habe:

„Aus betriebswirtschaftlichen Zwängen werden (…) Lesungen von unbekannten Autoren nicht selten abgelehnt. Wenn Sie also den Buchhändler um Gehör bitten, machen Sie es ihm leicht und angenehm. Empfehlen Sie sich als neuen Autor bzw. Autorin, die etwas Neues zu sagen haben. Wenn der Buchhändler nicht von sich aus ein Honorar anbietet, sollten Sie von sich aus zu erkennen geben, dass Sie mit einem Honorar nicht rechnen.“ **


Was nichts kostet, ist nichts wert!


Wenn sich Autoren selbst nicht ernst nehmen und sich stattdessen in die Hobby-Ecke stellen, wie sollen es dann andere tun? Wie soll man uns ernst nehmen, wenn wir unsere Arbeitskraft gratis hergeben? Die Binsenweisheit „Was nichts kostet, ist nichts wert“ sollten sich alle Autoren zur Erinnerung an den Spiegel heften. Vielleicht ist es dann möglich, dass sich das Image schriftstellerischer Tätigkeit im Bewusstsein der Bevölkerung langfristig verbessert.

Dabei will ich nicht unerwähnt lassen, dass es viele Autoren auch nach ihrer ersten Veröffentlichung Überwindung kostet, sich selbst überhaupt „Autor“ zu nennen. Einige haben auch Angst vor Lesungen und noch mehr vor den Honorarverhandlungen, weil die kaufmännische Seite der „Autorenmedaille“ den eher künstlerisch veranlagten Schriftstellern häufig nicht sonderlich liegt.

Dies ändert sich auch nicht unbedingt mit steigenden Veröffentlichungszahlen.


Auch prominente Autoren haben es nicht viel leichter


Vielen Gesprächen und Mails von Kolleginnen und Kollegen entnahm ich, dass auch sehr bekannte Autoren ihr Honorar nicht selbstverständlich erhalten, sondern es massiv einfordern müssen.

Ich sehe das Dilemma für Veranstalter mit neuen Autoren durchaus, da sie nicht wissen können, auf welche Weise die Texte vorgetragen werden. Jedoch sollte es für den Veranstalter ausreichen, das jeweilige Buch (an)zulesen, um die Qualität des Inhalts einordnen zu können. Auch berühmte Autoren lesen mitunter langweilig - dieses Risiko geht der Veranstalter immer ein.

Vom bloßen Schreiben leben, das können die Wenigsten. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, gehören Lesungen unverzichtbar dazu. Doch solange Autoren gratis lesen (von Benefizveranstaltungen natürlich abgesehen), werden diejenigen, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, ständig mit dem Totschlagargument konfrontiert: „Kollegin XY hat neulich für die Lesung aber auch kein Geld genommen!“

Ein erster Schritt in die richtige Richtung sind beispielsweise Autorengruppen, die sich zum Ziel setzen, niemals völlig ohne Honorar zu lesen. Gemeinsam kann man dies besser durchsetzen, auch wenn der einzelne Autor entsprechend weniger bekommt (aber auch dementsprechend kürzer liest).

Doch auch als Einzelkämpfer sollten wir uns rechtzeitig wappnen und die Honorarverhandlung professionell angehen.


Wie mache ich es richtig?


Dazu habe ich Reimer Eilers befragt, Autor und Experte bei mediafon, dem Beratungsservice von ver.di für Solo-Selbstständige.

Sein Rat lautet, das Honorar in jedem Fall VOR der Lesung auszuhandeln. Die Autoren sollten dabei die 255-Euro-Empfehlung des VS immer im Hinterkopf behalten und sie dem Veranstalter auch mitteilen, damit sie nicht als „individuell gierig“ dastehen. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese Summe immer erreicht wird, aber es ist eine solide Diskussionsgrundlage, vor allem wenn man dem Veranstalter klar macht, dass nach Abzug aller Steuern und Versicherungen*** (Kranken-, Renten-, Berufsunfähigkeitsversicherung, etc.) ein Stundenlohn von rund zehn Euro übrig bleibt.

Wenn dann das PR-Argument vorgebracht wird, solle man laut Eilers darauf nicht eingehen:

„PR ist gar kein Argument. Wenn man sich drauf einlässt, verdient man gar nichts.”

Nach dem Telefonat mit dem Veranstalter schickt man am besten eine Auftragsbestätigung, in der man sich auf das Telefonat bezieht und das vereinbarte Honorar plus 19% Mehrwertsteuer schriftlich festhält. Geht die Auftragsbestätigung per Mail an den Veranstalter, empfiehlt es sich, diese Mail gleichzeitig per cc/Kopie einer vertrauenswürdigen Person zu schicken, um damit beweisen zu können, dass diese Mail auch tatsächlich abgeschickt wurde. Wenn der Veranstalter dieser Auftragsbestätigung nicht widerspricht, ist die Vereinbarung gültig.

Aufpassen: Die Mehrwertsteuer kann bei Lesungen in Bibliotheken nicht erhoben werden, da diese von der Umsatzsteuer befreit sind.

Im Anschluss an die Lesung wird das Honorar vom Veranstalter üblicherweise in bar ausgezahlt. Da manche Veranstalter keine fertige Quittung zur Unterschrift bereithalten, sollte der Autor stets ein vorbereitetes Rechnungsexemplar dabei haben mit dem Vermerk „Betrag XX,- Euro in bar dankend erhalten“.

Bei größeren Events kann es auch möglich sein, dass das Honorar per Überweisung gezahlt wird. Auch da ist es günstig, dies im Vorfeld geklärt und schriftlich festgehalten zu haben.

Ich möchte noch hinzufügen, dass bei Lesungen, die eine Übernachtung erforderlich machen, in der Regel der Veranstalter für die Organisation und Bezahlung der Unterkunft zu sorgen hat. Dies kann nach Absprache auch in einem Privathaushalt erfolgen. Auch diese Regelung sollte Bestandteil der Auftragsbestätigung sein.

Programme zusammenstellen

Es macht sich übrigens gut, wenn man verschiedene Lesungsprogramme anbietet und zur Auswahl auf die eigene Autorenhomepage stellt. Dort können zudem die Kosten für die verschiedenen Veranstaltungen vermerkt werden, etwa Rabatte, wenn mehrere Lesungen an einem Tag erfolgen, oder Materialkosten, wenn man als Kinderbuchautorin zum Beispiel mit seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern etwas bastelt. So kann man bei den Honorarverhandlungen direkt darauf verweisen. Am besten dort ebenfalls auf die VS-Mindestforderung hinweisen.

Sicher liegt es nicht nur an den Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, für Null Euro zu lesen, dass es immer schwieriger wird, überhaupt noch bezahlte Lesungen zu erhalten. Die Unsitte, gerade Berufsanfänger gratis oder für ein Taschengeld arbeiten zu lassen, greift immer mehr um sich; erinnert sei nur an den Begriff „Generation Praktikum“. Auch im Verlagswesen und Buchhandel haben Volontäre häufig nur Zeitverträge und werden schlecht bezahlt. Dass in einem solchen Umfeld wenig Verständnis für die berechtigte Forderungen von Autorinnen und Autoren aufkommt, ist sicher kein Wunder.


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Kurz zusammengefasst:

- Honorar vor der Lesung aushandeln, am besten gleich bei der Terminvereinbarung

- Die 255,- Euro Mindestforderung des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) als Verhandlungsbasis erwähnen.

- Ggf. wegen der Lesungskosten auf die Autorenhomepage verweisen.

- Per Brief oder Mail Auftragsbestätigung mit allen besprochenen Parametern an den Veranstalter schicken.

- Nach der Lesung vorgefertigte Rechnung oder zumindest Quittungsblock bereithalten.

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Anmerkungen:
* Die letzte Honorarumfrage ist von 1998; damals wurden 500,- DM empfohlen; dieser Honorarsatz ist bisher nicht angehoben worden.

** Ingrid Pohl, Leitfaden für Autorenlesungen, in: Der Ratgeber für neue Autoren 2006/2007, Frankfurter Ratgeberverlag

*** Eine Übersicht (allerdings auf DM-Basis) ist der mediafon-Honorarumfrage von 1998 zu entnehmen.

Der Artikel erschien in der Federwelt Nr. 63, April / Mai 2007


© Petra A. Bauer, 04/2007
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Erna macht sich Jedanken üba verrückte Lehra

Jut, det ick Se treffe! Wissen Se, wat ick gloobe? Et jibt een unjeschriebenet Jesetz, wo drinne steht, det die Zujangsvoraussetzung füa Jrundschullehra, also um Lehra anna Jrundschule übahaupr ßu wern, dette da mindestens Vollpsüchepaat sein musst. Echt wahr. Bei Gümmi reicht Halbpsüchepaat, aba det is ne andere Baustelle.

Ick wollte heute meen Enkel vonne Schule abholn. Soll ja vorkomm. Da fängt mia ne Lehrerin von ihn ab und sülzt mia voll von irjendwelche Hausschuhe. Jing hier rin, da raus, jibt Wichtjeret in Lehm, wa? Ealichkeit, und det ma sich morjens noch inn Spiejel ankieken kann zun Beispiel.

Bei die Jelejenheit fiel mir aba ein, det mir letztens ne Mutter vonn andan Kind aßeelt hat, det jenau diese Leererin, und ick schreip det jetze absichtlich mit zwee ee, meen Kleen ne halbe Stunde voa da janzen Klasse rund jetackat hat, statt den wat beißubringn. Irjendwat mit mea Ornung und so Zeuch. Die hat den Jören ja ooch ma ne Stunde eakläat, wie man ne Tafel wüscht… Wie jesacht, siehe ohm bei Zujangsvoraussetzungen. Und bei “et jibt Wichtjeret in Lehm”.

Jehnfalls sprech ick se druff an, wat det sollte. Wo der Kleene schon ma sonne Psüchepaatenleererin hatte und seitdem ne echte Leerafobie.

Da sacht die doch glatt, et wäa Freitachnachmittag, sie hätte FEIAAHMD (klaa, die ahm Leera sin ja kronüsch übaabeitet, weeß man ja, und wenn ick ßeit habe, denn ween ick n bisschen) und det se mit mia da jetze nich drüba sprechen will. Schon jaa nich uffn Jang vor die Leute.

Da bin ick aba kiebich jeworn, det kenn die an dea Schule schon, ick wer imma kiebich, wenn eena meene Küken unjerecht behandelt und mia denn noch dämlej kommt,wa. Hab jesacht, ach nee, meen Kleen’ vor de janze Klasse anbrülln, aba hier keene ßeugn ham wolln, wa?

Ick weeß nich, ob die übahaupt bejriffen hat, wat ick ia saren wollte. Aba wat macht die? Baut sich vor meen Enkel uff, und eaßeelt den Wort füa Wort, wat wir beede uns jrade untahalten ham. Die hat mit den jeredet, wie mitn Schwachsinnjen.

“Und da hat die Oma jesacht, und denn hab ick jesacht…”

Bloß nicht so berlinert hat se, det kannse vamutlich nich ma. Der Kleene hat sie anjekiekt als würde ea ihre Schraube schon fallen sehn, die ja janz offensichtlej sea locka sitzen tut.

Und denn fing se wieda von ian Feiaahmt an, und det se det Jespräch ja hier nu nich füan müsse. Doch, sach ick, weil ICK det füan will. Naja, denn hat se, obwohl se ja in ian Feiaahmt wollte, wieda angefangn den Kleen ßu eakläan, wer jrade wat jesacht hat…

Ick kenne andere, die sind wenja irre und sitzen trotzdem inne Klapse.

ßun Schluss hat se MIA n schön Feiaahmt jewünscht, aber da haick jeasacht, tut mia leid, ICK hab keen Feiaahmt, ick tu wat füa meen Jeld!

Und denn binnick in Buchlahn jejangn und hab mia det Lehrahassabuch jekooft.


(c) Petra A. Bauer, 10/2007
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Erna jratuliert Stuttgart zum Titel

Jut, det ick Se treffe! Ich bin ja nu keen Fußball-Fenn. Sie ooch nich, wa? Dann könn wa hia eijentlej schon wieda uffhöan ßu redn, aba ick hab heute keene Lust den Flua ßu wüschn, bei die Hitze. Warum also nich ma üba den neuen Meesta redn, wa?

Nu also Stuttjart. Wat sollick daßu saren. Nich würklich uffrejent, aba allet is imma bessa als ewich Bayan als Meesta.

Die Kleene Rieke von die Nachbaan uffn Flua jejenüba hat dicke Kullatreenchen jeweent, als Werda Bremen nich mea Meesta wern konnte, weil, da issie Fenn von. Aba da hatt der Filip ausn Haus jefeixt, weila Hertha-Fenn is und die jrüne Werda-Fahne schon nich mea sehn konnte.

Übahaupt Hertha. Die fang ja manchma ja nich so schlecht an inne Seesong, aba denn muss ma zwüschendrinne imma ßittan, detse nich no absteign tun. Naja, nu hamse sich mitten inne Mitte breitjemacht, uff Platz ßehn. Jutet deutschet Mittelmaaß, wie übahaupt vielet hier inne Republik solidet Mittelmaaß is, weil sich keena wat traut. Vor allem beide deutsche Feansehseerijen nich, aba ick schweife ab, wa.

Wat wolltik? Ach, Hamburch, also dea HaEssVau, wa, der is imma noch drinne inne Lija, von Anfang an. Dea letzte Mohikana, soßusaren, und det jönnick deen ooch.

Ick hätt ooch Mainz Nullfümpf gejönnt, dettse drinne bleim, inne easte Lija, weil - Moment, nee, dea Karl, wat meen Mann is, dea höat ßun Jlück nich ßu - also dea Treena von die Mainßa, wa, dea Jürjen Klopp, also dea könntma ja jefalln. Schicka Mann is det. Nur wejen ihn schaltick ooch bei de Kinder-Kanntrie-Werbung nich weck.

Apropoo Werbung: Die Schalka, die hamdat ja jetze, wie in de Veltins-Werbung von ian Sponsor mitte Meistaschale jehabt: Nur kieken, nich anfassen. Aber kleena Trost, dafüa könnse ja neechstet Jaa uff Schalke voll feian: Fuffzich Jahre KEEN Fußballmeesta. Det muss man ja ooch ersma hinkriejen.

Und det schaffen die ooch, so wa ick Erna Pachulke heiße!



(c) Petra A. Bauer, 05/2007
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Erna jeht zur Filmpremiere

Jut, det ick Se treffe! Kennse noch det Lied: Först wi teek Menhetten, then we teek Börlinn?* So kommtet mir jrade ooch vor: Erst ham de Fülmemacha Nu Jork in Schutt und Asche jelecht, jefrostet, abjefackelt, jeflutet, atomisiat, und King Kong war ooch schon da. Jetze is det offenba langweilich jeworn, und nu jehtet unsan schön’ Berlin an’n Kraren.

Neulej wolltense den Feansehturm mitn Tornado umpustn, und an Sonntag kommt ja uff PRO 7 „Det Inferno – Flamm üba Berlin“. Mit den schicken Klaus Jott Behrendt. Joi, da kann sich meen Karl echt hinta vastecken, mit sein Bierbauch. Also nich, det der mit sein Bierbauch (hatta imma noch nüscht jejen jetan, ick jebs bald uff, wa) hinter den Klaus nicht ßu sehn wär, sondern dea Klaus macht ehmt mea hea. Und - ick sach Se wat – dea sieht ja in echt noch ville bessa aus, als in Feansehn.

Woher ick det weeß? Ach, haick det no janich jesacht?

Also, die Müllan, wat meene Nachbarin is, die kenn Se ja. Die hat von ürgentson dubiosen Liebhaba ne Einladung ßu die Fülmpremjeere von den Fülm jekricht.

Ja, echt, de Fülme wern voahea int Kino jezeicht, mit Heppchen und Wein hintahea, und mit all die Schauspiela, die da mitjemacht ham, und Drehbuchautoan, Produßenten, Reschissör, die Leute vonne Speschel iiefeckts und alle ehmt. Die waan nach den Fülm alle vorne uffe Bühne.

Immahin waan det ja de Produßenten, die neulej den Oskaa jekricht ham, für det Lehm von die Andan, oda wie det hieß. Un hintahea hamwa ßusamm anne Tüsche rumjestann. Mit Blick uffn Feansehturm. Wa glei nehman. Aba det späta, ick wollte ja wat ßu den Fülm saren:

Voll-dea-Hamma! Nüscht füa schwache Nerven, sarick Ihn. Aba toll, sollten Se unbedingt kieken ann 21.5. 07. Und ick schwöa Sie, Se jehen jarantieat in Ian janzen Lehm hintahea nich mea freiwillich uffn Feansehturm ruff. Voll jruselich. Un dettet da jleich an Anfang so dolle brennt, det liecht an den sojenannten Feuasprung, det hat mia dea Drehbuchautoa höchstpasönlej eakleat. Haick ma nämlej echt jewundat drüba, aba det jibtet in echt, wa.

Ja, un echt waan ehmt ooch de Schauspiela! Stelln Se sich voa, ick hab den Benni vonne Linnstraße jesehn! Der is ja schon lange doot, wa, dea Benni, aba ßun Jlück dea Christian Karmann nich, dea afreut sich besta Jesundheit, sonst hätta ja ooch den Feuafülm jetze nich machen könn, wa?

Aba, dettie Müllan ihn uff Benni anjesprochen hat – dea Aaaame! Det klebt an ihn, un ea württie Rolle nich mea los, wa. Andraseits waret ja kuhl von die Müllan, dettie sich übahaupt jetraut hat, den anßusprechn. Den Klaus Jott, mit den hättick mia ja jern untahalten, wa, aba ick wa ville ßu schüchtan daßu. Na, vlei neechstema.

Soll sich die Müllan den Liebhaba ma schön waamhalten. Un denn kommick mit uffde neechste Premjeere, so waa ick Erna Pachulke heiße.

*First we take Manhattan, then we take Berlin, Leonard Cohen


(c) Petra A. Bauer, 05/2007
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Die Welt ist klein – Lasst uns eine neue bauen!

Der Hype um Second Life ließ unserer Autorin Petra A. Bauer keine Ruhe: Würde sie in dieser Welt verschwinden und nur noch als Avatar existieren? Würde sie dort viele neue Leser für ihre Bücher finden? Wie sinnvoll mag es für Verlage sein, dort ein zweites Standbein zu errichten? Lohnen sich Second-Life-Filialen für Buchhandlungen? Voller Vorfreude, aber auch ein wenig bange, machte sie sich auf den Weg ins Ungewisse.

Darf ich mich vorstellen? Bailey. Priscillina Bailey. Doppelnullagentin der Federwelt, mit der Lizenz zum Schreiben.
Mein Auftrag - die Suche nach Antworten auf die großen Fragen:
Muss ein Verlag, der etwas auf sich hält, auch in der Zweitwelt vertreten sein? Haben Autoren dort gute Marketingmöglichkeiten? Gibt es ein Leben neben dem Tod?

Ich war allerdings nicht gerührt, als ich Second Life auf den Rechner lud, sondern habe mich vielmehr geschüttelt, als ich begriff, auf was ich mich allein bei der Anmeldeprozedur eingelassen hatte.

Schon die Namensgebung ist eine Hürde, da es nur eine bestimmte Auswahl von Familiennamen gibt. Aber das ist nichts gegen die seltsame Insel der Orientierungslosen,  bei der der Neuankömmling vier mehr oder weniger sinnvolle Tutorials absolvieren muss. Fliegenlernen war ganz hilfreich, aber es ist mir bis heute nicht gelungen, die Haarfarbe zu ändern ohne gleich eine Betonfrisur herzustellen.

Also war Priscillina – die Leute nennen mich Pris – bis vorhin noch immer im ursprünglichen Outfit unterwegs. Auch gut. Diese Erkenntnis hat mich jedoch schon einen nicht unerheblichen Teil meiner Lebenszeit im Erstleben gekostet. Vielleicht ist dies ein guter Zeitpunkt, um anzumerken, dass ich zuvor noch nie ein MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game)  gespielt habe, ein Faktor, der auf viele Autoren zutreffen dürfte.

So wanderte ich, bzw. Priscillina, stellvertretend für andere Autoren ohne Spielerfahrung, weiter durch die Pixelwelt. Ein attraktiver Kerl, der sich schon ein wenig länger in SL tummelte, führte mich herum, und so sah ich diverse Clubs von innen, besuchte gar den Louvre, nur die Buch- und Verlagswelt wollte sich mir nicht erschließen. 

Dann sah ich in einer Pressemitteilung, dass die englische Buchhandlung Snowbooks auch in SL vertreten sei. Mit der Suchfunktion gelangte ich dorthin – und stand vor verschlossenen Türen. Genauer: Es war niemand da, denn die Läden sind alle offen, damit man sich umschauen kann. Ich hinterließ dem Besitzer von Snowbooks eine Nachricht, und bekam nur Tage danach die – kurzen – Öffnungszeiten mitgeteilt.

Nachts um halb drei gab ich dann auf. Nach acht Stunden in der virtuellen Welt, und einem weiteren Kurzbesuch bei Tage, als alles

menschen

avatarleer war, stand mein erstes Urteil fest: Second Life ist etwas für Nachtschwärmer und Singles (es sei denn, Partner und Familie haben kein Problem damit, wenn man stundenlang nicht ansprechbar ist), und für Autorenmarketing viel zu mühsam.

Ich rate Autoren gerne, den Fernseher zu ignorieren, um Zeit zum Schreiben zu schaffen. Sollte man die so gewonnene Zeit dann im Zweitleben verbringen? Ich wollte hier schreiben, dass ich lieber Kontakte via OpenBC oder MySpace knüpfe. Gerade auf http://www.MySpace.com tummeln sich immer mehr Autoren, und mit einer Viertelstunde administrativer Arbeit pro Tag kann man seine Botschaft schon ganz gut in die Welt tragen.

Der aufmerksame Leser hat den Konjunktiv bemerkt. Kurz vor der Deadline für diesen Beitrag, fand in Second Life ein Vortrag des Literaturcafés zum Thema Online-Marketing für Verlage, Buchhandel und Autoren statt. Als hätten sie es gewusst!

Ich teilte der Familie mit, dass ich diesen Vortrag um acht in Second Life besuchen würde.
„Ach, du bist heute Abend gar nicht zu Hause?“
Was mich zunächst schmunzeln ließ, erwies sich letztlich als sehr wahr: Hören, sprechen, chatten, mich um den SL-Absturz kümmern, Notizen machen, alles gleichzeitig, hochkonzentriert – ich war tatsächlich sozusagen den ganzen Abend nicht da, sondern in meinem Büro. Nicht ansprechbar, da mein Skypecast-Mikro offen war, und sich sicher niemand für Unterhaltungen mit meinen Kindern interessiert hätte.

Priscillina lief eine halbe Stunde vor Beginn am Veranstaltungsort ein und fand auch noch einen Platz. Die Verbindung via Skypecast war vorbildlich, doch pünktlich zu Beginn des Vortrags fand offenbar ein System-Reboot bei SL statt. Es flogen alle nacheinander wieder aus der virtuellen Welt, und waren nur noch akustisch miteinander verbunden. Der ebenfalls anwesende Autorenkollege Titus Müller sagte dazu augenzwinkernd: „Die kleinen technischen Macken verkraftet man durch das Gefühl, Pionier zu sein.“

Rund vierzig solcher Pioniere, lauschten den Möglichkeiten, die das ‚Mitmachnetz’ Web 2.0 Autoren, Verlagen und Buchhandlungen bietet. Vom Bloggen, über Podcasten bis zum MySpace-Account wurden Beispiele genannt. Allen Anwendungsmöglichkeiten gemeinsam ist jedoch, dass man eine unerschütterliche Leidenschaft für das Thema benötigt, sowie Experimentierfreude und Spontaneität.  Wer zum Bloggen bei einem kommerziellen Blog quasi gezwungen wird, verliert schnell die Lust.

Noch mehr gilt das Vorgenannte jedoch für Marketing in Second Life. Einige Autoren, haben sich inzwischen Läden in einem deutschen Viertel von Second Life gemietet. Einer verkauft Kurzgeschichten und lässt sich die Wochenmiete des Ladens vom Verlag bezahlen, ein anderer glaubt nicht an kommerziellen Erfolg in SL direkt, sondern setzt darauf, dass durch zustande kommende Kontakte, der Bekanntheitsgrad außerhalb von Second Life steigt. Das Literaturcafé sieht den Effekt eher in Einzelveranstaltungen als in Dauerpräsenz.

Die Frage, die über allem steht, lautet jedoch: Ist der Marketingeffekt messbar? Verkaufen Verlage, Buchhändler, Autoren auch nur ein einziges Buch mehr, wenn sie in Second Life präsent sind?

Eine Antwort darauf ist schwer zu geben; zumindest sind direkte Links zu Online-Buchhändlern eine Möglichkeit, anderen Avataren den Kauf zu erleichtern. Ansonsten scheint eine Pressemitteilung, dass man nun auch in Second Life vertreten ist, beinahe einen größeren Werbeeffekt zu haben, als die Anwesenheit selbst.

Ein unschlagbarer Vorteil besteht jedoch in der Erreichbarkeit von Personen, die man im Erstleben schon deshalb nicht erreichen würde, weil sie ganz woanders leben. Lesungen vor Avataren aus Hamburg, München, Wanne-Eickel und Mönchengladbach gleichzeitig stellen kein Problem dar, ebenso, wie bei der Veranstaltung des Literaturcafés Autoren anwesend waren, die man sonst nur umständlich auf Literaturfestivals begegnen kann. So war der Smalltalk via Skype und Chat am Schluss sehr interessant und „netzwerkig“.

Meine anfängliche Skepsis ist nicht ganz gewichen, aber der Abend hat mich davon überzeugt, dass es sich lohnt, einen eigenen Weg in Second Life zu finden. Ein wenig Zeit werde ich wohl investieren müssen, um mich besser in SL zurechtzufinden. Vom Veranstalter habe ich schon ein neues T-Shirt geschenkt bekommen. Der Rest wird sich finden.

KASTEN:
• Deutschsprachige Autoren sollten sich sinnvollerweise in deutschen SL-Communities aufhalten. Deutschland heißt dort ‚Apfelland’. Einige Autoren haben ihren Sitz in der ‚Altstadt Kasada’ (in die Suchmaske eingeben und sich dorthin teleportieren lassen)
• ‚Newbies’ sollten sich an alteingesessene Avatare halten und sich von diesen helfen lassen. Das macht den Einstieg weniger mühselig.
• Größere Einzelereignisse sind vermutlich effektiver als eine Dauerpräsenz, bei der u.a. Ladenmiete anfällt.
• Niemand sollte sich zwingen eine Second-Life-Dependance anzulegen. Ohne Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit und Geduld kommt man dort nicht weit.


© Petra A. Bauer, 07/2007 für die Autorenzeitschrift “Federwelt”
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  • Mittwoch, 22. März 2017 | KUNST
    Über Stilfragen und den (Un)Sinn von Perfektion
    Gestern hat Johanna Fritz auf Instagram gefragt, ob wir schon einen eigenen Zeichenstil haben. Diese Frage hatte ich mir auch schon gestellt:
  • Montag, 20. März 2017 | KUNST | MOLESKINE
    Warum ich kein Huhn sein möchte und Wissenswertes über Midoris.
    Ich wollt' ich wär' ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun, ich legte jeden Tag ein Ei und nachmittags wär ich frei ... Die Vorstellung, den ganzen Tag nichts anderes tun zu KÖNNEN, macht mich schon beim Zuhören wuschig.
  • Sonntag, 19. März 2017 | KUNST
    Sonntags-Kreativ-Wumms
    Ich wollte schon lange wieder mehr zeichnen. Und weil ich so aus der Übung bin, habe ich die Muße heute genutzt und losgelegt. Z.B. habe ich einfach Zeug gezeichnet, das bei uns rumsteht.
  • Montag, 16. Mai 2016 | AUFREGER | LEBEN | CARTOONS
    Der Tod auf Latschen
    ... war es nicht, den ich neulich traf, sondern der auf Rädern. Ich gebe zu, es war eine 30-Zone, aber das Auto vor mir fuhr nur knapp 20 km/h. Mitten auf beiden Fahrbahnen. An einer Einmündung überholte ich und bekam einen Schreck: Ein uraltes Männlein mit eingefallenem Gesicht (null Unterhautfettgewebe mehr), saß zittrig am Steuer. Neben ihm irgendjemand, der deutlich fahrtüchtiger aussah. Das inspirierte mich zu diesem Cartoon:
  • Sonntag, 15. Mai 2016 | IN EIGENER SACHE | PABBLES
    Danke für 700 Follower auf Instagram!
    Ich bin ja seit 2007 eifrig überall in Social Media unterwegs - fast überall mit dem Usernamen writingwoman. So auch auf Instagram (weiß nicht, wie lange ich den Account schon habe), wo ich Fotos aus allen Lebens- und Arbeitsbereichen poste. Ich habe den Instagram-Account bisher nicht besonders promotet, und trotzdem haben sich inzwischen 700 Follower dort versammelt. Pabbles und ich sagen DANKE :-)