Müde

Donnerstag, 17. Juli 2008

Textbeispiel aus inBeauty.de, das Online-Frauenmagazin, in dem meine Kolumne seit dem Frühjahr 2008 in jeder Ausgabe erscheint.

Müde
(Erstveröffentlichung am 17. Juli 2008 im eMagazin inBeauty)

Ich schlafe noch. Entweder das, oder mich hat heute Nacht ein Bagger überfahren.
Obwohl ich platt bin, muss ich aufstehen, es hilft alles nichts – die Kinder müssen in die Schule.

Doch ich bin ja Freiberuflerin, und da die Nachbarn mir ohnehin unterstellen, ich täte den ganzen Tag gar nichts, könnte ich mich doch einfach nach der Schultour ausnahmsweise zurück ins Bettchen kuscheln. Ein himmlischer Gedanke, und durchaus praktikabel, wenn, ja wenn es mir gelänge, diese fiese Müdigkeit zu konservieren, die mich alle paar Wochen des Morgens so massiv heimsucht.

An diesen Tagen tappse ich also mit geschlossenen Augen ich die Treppe hinunter, brumme etwas, das man mit viel gutem Willen als „Moin“ verstehen könnte, und verschwinde im Bad.
Das ist die erste Hürde, denn Waschen und Zähneputzen ist eine Gratwanderung. Das Wasser darf nicht zu kalt und nicht zu heiß sein, will ich davon nicht munter werden.

Während ich mich vorsichtig an die richtige Temperatur herantaste, kracht mir schon die Badezimmertür ins Kreuz und zwei Kinder purzeln schreiend herein. In der Küche streiten sich die beiden anderen, und ich merke, wie mein Adrenalin langsam steigt. Anschließend werde ich von mindestens vier verschiedenen Seiten mit sofort auszuführenden Aufträgen oder wichtigen Fragen beschallt:

„Schreibst du mir die Entschuldigung für Sport?“ „Wir brauchen vier Euro für den Ausflug?“ „Was gipssn heute Abend zu Essen?“

In dem Tenor geht es im Auto weiter. Auf der Rückfahrt träume ich davon, wie es gewesen wäre, mich einfach umdrehen und weiterschlafen zu können. Ich fahre eine stumpfsinnige Strecke durch den Wald, da ist träumen noch erlaubt.

Zu Hause angekommen, genieße ich die Stille. Nochmal hinlegen? Dafür bin ich viel zu wach! Los, ran an die Arbeit, keine Zeit zu verlieren. Schlafen kann ich immer noch, wenn ich tot bin.

Trotzdem träume ich davon Müdigkeit in Dosen abzufüllen und bei Bedarf wieder hervorzuholen. Vielleicht könnte man dafür die gesammelte Schläfrigkeit aus Meetings eindosen, denn ein ordentlicher Managerschlaf wirkt garantiert besser als Valium.

Nur Vorsicht vor unsachgemäßen Gebrauch! Hier hat grad jemand eine Dose geöff-  zzzzz zzzzzz  



©  Petra A. Bauer, 04/2008
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# Petra A. Bauer am 17. Juli 2008 um 15:57 Uhr
Was diese Frau so alles treibtinBeauty


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Petra A. Bauer, Berlin - www.writingwoman.de