Tempolimit

Textbeispiel aus dem Online-Frauenmagazin inBeauty.de, in dem meine Kolumne seit Frühjahr 2008 in jeder Ausgabe erscheint.

Tempolimit (Erstveröffentlichung am 5. Juni 2008 im eMagazin inBeauty)
Wann haben Sie das letzte Mal ein Verkehrsschild so richtig bewusst wahrgenommen?
Als Fahranfänger kommt dies vermutlich häufiger vor, doch wenn man einige Jährchen über die Straßen düst, und ewig dieselben Strecken nimmt, nutzt sich das Interesse an der bunten Beschilderung doch ziemlich ab. Kommt ein nagelneues Zeichen in den gewohnten Blickwinkel, mag es möglicherweise noch die ihm zustehende Aufmerksamkeit erhalten. Beispielsweise die Achtung-Schilder, auf denen auf veränderte Vorfahrtsregelung hingewiesen wird. Doch was, wenn die Ordnungshüter klammheimlich die Beschilderung entfernen?

Zum Beispiel auf der Strecke durch den nahe gelegenen Wald. Jahrelang standen dort 30-Schilder, weshalb weiß kein Mensch. Mittlerweile hat sich auch herausgestellt, dass diese niemals so richtig genehmigt worden waren. Also hat man sie abmontiert. Vor Monaten schon. Ahnen Sie etwas?

Genau: Immer noch werden Schnarchnasen überholt, denen nicht aufgefallen ist, dass nun ganz normal 50 km/h gefahren werden darf. Es liegt kein Schnee, die Strecke ist nicht unübersichtlich, keine Kinder in Gefahr, da dort nicht vorhanden – also kein plausibler Grund zum Schleichen.

Normalerweise überhole ich die Langsamfahrer ebenfalls, aber sobald sich eine Schlage von drei oder mehr Autos angesammelt hat, wird es schwierig, da die Strecke einige lang gezogene Kurven aufweist. Das sind die Momente, in denen ich mir ausmale, wie ich riesige Transparente zwischen den Bäumen befestige:
„Hier ist seit Monaten Tempo 50, ihr Dödel!“ steht in großen, roten Lettern darauf.
Manchmal auch: „Parken könnt ihr woanders, hier ist 50!“, je nachdem, wie langsam die Schlange sich vorwärts bewegt.

28 km/h ist ein beliebtes Tempo haben meine empirischen Studien belegt. Diese sind durchaus repräsentativ, da ich täglich mehrmals durch diesen Wald fahren muss und somit viel Gelegenheit zur Beobachtung der Autofahrer in freier Wildbahn habe.
Und eines Tages schreibe ich diese Plakate wirklich. Spätestens, wenn die bevorzugte Geschwindigkeit in zehn Jahren immer noch zwischen 28 und 42 km/h liegt.
Ich schwöre bei meiner Klapperkiste!

© Petra A. Bauer, 05/2008
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